WWOOF und Volunteering in Österreich


WWOOF & Volunteering in Österreich

1. Grundprinzip von WWOOF Österreich

WWOOF hat seinen Ursprung 1971 in Großbritannien und wurde Sue Coppard gegründet. Die Idee war, dass Städter an Wochenenden auf ökologischen Bauernhöfen mithelfen können , im Austausch gegen Unterkunft, Verpflegung und praktische Erfahrungen. Ziel war es, Menschen wieder näher an die Landwirtschaft, Natur und ökologische Lebensweise heranzuführen. Der ursprüngliche Name war „Working Weekends on Organic Farms“ , wurde später aber umbenannt in „World Wide Opportunities on Organic Farm.“, weil Wochenenden zu kurz gegriffen waren und wechselseitig der Bedarf an längeren Aufenthalten bestand. Heute ist WWOOF ein weltweites Netzwerk mit unabhängigen nationalen Organisationen in über 100 Ländern, das kulturellen Austausch, nachhaltige Landwirtschaft und informelles Lernen fördert. In Österreich gibt es ein eigenes Netzwerk: WWOOF Österreich.
WWOOF Österreich oder generell WWOOF bzw. Volunteering basiert komplett auf Freiwilligkeit. Es gibt keinen Vertrag, keinen Lohn und keinen Anspruch auf professionelle Betreuung. Es ist ein informelles Austauschsystem zwischen einem Hof (Host) und einem Volontär, das auf Vertrauen funktioniert:

  • Der Hof (Host) bietet: Unterkunft + Essen + Einblick in den Alltag

  • Du (Volontär) bietest: Arbeitskraft + Motivation

Die Art der Arbeit, der Lebensstil und das Niveau an Professionalität variieren stark zwischen den Höfen. Manche Betreiber führen einen großen zertifizierten Bio-Betrieb, andere sind Mini-Höfe, Selbstversorger, Kommunen oder Öko-Projekte, bei denen manchmal nur wenige Menschen mitwirken. Es kommt auf deine Erwartungshaltung an, was du für dich selbst aussuchst.
Viele stellen sich WWOOF als „idyllischen Bauernhofurlaub“ vor. Das ist naiv. Deine Tage bestehen aus Arbeit, Routinen, körperlicher Belastung und oft einem oft einfachen sozialen Umfeld. Du bist Teil des Hofalltags – wer eher Urlaub sucht, ist generell bei work-exchange Plattformen falsch aufgehoben.

WWOOF Österreich | Bergbauernhof

Bild: WWOOF Österreich

📌 WWOOF Österreich

Typische Einsatzbereiche bei WWOOF:

  • Bio-Landwirtschaft
  • Permakultur
  • Tierpflege
  • Garten- und Feldarbeit
  • Nachhaltige Lebensweisen

Die Arbeiten hängen stark vom Saisonzyklus ab, aber auch von der Größe des Hofes, Anbauweise, Tierhaltung und etliche andere Faktoren.

Merkmale von WWOOF:

  • Fokus auf ökologische Landwirtschaft
  • Meist 4–6 Stunden Arbeit pro Tag
  • Unterkunft und Verpflegung inklusive
  • Starker Bildungs- und Nachhaltigkeitsgedanke
  • Oft ländliche, ruhige Orte
  • Auch für Paare und Freunde geeignet
  • In vielen Ländern separate Mitgliedschaften nötig (z. B. WWOOF Deutschland, WWOOF Neuseeland)

 

2. Was du als WWOOFer konkret machst

Landwirtschaftliche Tätigkeiten

 

3. Wie die Unterkünfte wirklich aussehen

Die Spannweite bei den Unterkünften ist groß und hängt auch meistens von den Möglichkeiten des jeweiligen Hofs ab:

  • Zweibettzimmer im Bauernhaus – Standard bei familiengeführten Betrieben
  • Kleine Gästezimmer oder eigenes Zimmer – bei größeren Bio-Höfen

  • Bauwagen, Tiny House, Holzhütte – beliebt, aber oft minimal ausgestattet

  • Gemeinschaftsschlafräume – bei Kommunen oder Öko-Dörfern

  • Jurte, Zelt oder Camping – wird teilweise verlangt, v. a. im Sommer

  • Bad & Dusche teilen – Normal

  • Internet – kann vorhanden sein, kann auch komplett fehlen

Manche Höfe sind sehr gastfreundlich, andere erwarten, dass du dich in den Alltag einfügst und wenig Sonderwünsche hast.
Erwarte keinen Komfort, und schon gar keine Privatsphäre auf Hotelniveau.

4. Ernährung – was realistisch auf dich zukommt

  • Viel Gemüse (klar, du bist auf einem Biohof)

  • Saisonales Essen: im Frühling eher eintönig, im Sommer besser

  • Manche Höfe kochen gemeinsam, andere erwarten Selbstorganisation

  • Vegetarisch/ vegan → möglich, aber unbedingt vorher abklären

  • Fleischessende Höfe → kann dazu führen, dass du ab und zu beim Schlachten mithilfst oder zumindest zuschaust. Wenn du das nicht willst, sag es vorher.

Viele Höfe kochen solide Hausmannskost. Anspruchsvolle Ernährung (Low-Carb, glutenfrei, spezielle Diäten) ist ein Problem. Wenn du komplizierte Essgewohnheiten hast, solltest du das unbedingt im Vorfeld kommunizieren, wirst aber eher Probleme bekommen.

5. Was WWOOF von dir erwartet – deutlich formuliert

Erwartungen der meisten Hosts:

  • Pünktlichkeit
  • Zuverlässigkeit
  • Grundfitness
  • Bereitschaft, auch monotone Aufgaben zu machen
  • Respekt gegenüber Hofregeln
  • Kein „Ich mache nur, worauf ich Lust habe“

Fehlannahmen vieler Volunteers:

  • „Ich will lernen, nicht nur arbeiten.“ –
    Lernen passiert, aber der Alltag besteht zu 70–80 % aus Routinearbeit, nicht aus Workshops.

  • „Ich brauche viel freie Zeit.“ –
    Die hast du, aber nicht zu deinen Bedingungen.

  • „Ich bin hier, um zu helfen, nicht um mich ausnutzen zu lassen.“ –
    Ja, aber: Landwirtschaft ist harte Arbeit. Das ist keine Ausnutzung, sondern Realität.

Wenn du körperliche Arbeit nicht verträgst oder schnell überfordert bist, wirst du voraussichtlich kein gutes Erlebnis haben.

6. Workaway, HelpX & Alternativen – ausführlich und differenziert

Neben WWOOF gibt es eine ganze Reihe von anderen Organisationen, die letztendlich alle auf der Grundidee von „Work and Travel“ basieren. Sie unterscheiden sich in Details wie Kosten, organisatorische Ausrichtung und Service. Manche bieten Vorbereitungsseminare, andere sogar Betreuung vor Ort und wiederum andere umfassende Komplettpakete, die durchaus mehrere tausend Euro kosten können.

A) Workaway

Breiteres Angebot, weniger landwirtschaftlich fokussiert. Vorsicht ist geboten, wenn Firmen oder Gewerbebetriebe „Workaway“ anbieten, da u.U, schnell eine Sozialversicherungspflicht entstehen kann.
Typische Tätigkeiten:

  • Hostel-Rezeption
  • Reinigung
  • Gartenarbeit
  • Englisch mit Kindern üben
  • Renovierungen
  • Tierpflege (Hunde, Pferde etc.)
  • Mithilfe in Berghütten
  • Mithilfe bei Yoga- oder Retreat-Zentren

Vorteil:

  • Mehr soziale Kontakte
  • Weniger körperlich belastend als Landwirtschaft
  • Flexiblere Arbeitsmodelle

  • Mehr urbane Hosts (z. B. Wien, Graz)

Nachteil:

  • Qualitätsunterschiede zwischen Hosts

  • Einige Hosts erwarten deutlich mehr Arbeit, als sie offiziell angeben

 

Bild: Workaway

📌 Workaway

Workaway ist eine deutlich vielfältigere Plattform. Zahlreiche Kleinbetriebe und Unternehmen suchen hier nach billigen Arbeitskräften.

Typische Einsatzbereiche bei Workaway:

  • Hostels & Gästehäuser
  • Social-Media & Online-Arbeit
  • Renovierung & Handwerk
  • Farmarbeit
  • Haus- und Tiersitting
  • NGOs & soziale Projekte

Merkmale von Workaway:

  • Große Auswahl an Projekten
  • Mehr Flexibilität bei Arbeitszeiten
  • Eine globale Mitgliedschaft für alle Länder
  • Ideal für digitale Nomaden und Backpacker
  • Häufig städtische oder touristische Orte

 

 

 

B) HelpX

Ähnlich wie Workaway, aber ländlicher und oft bodenständiger. Viele Höfe, kleine Pensionen, Handwerksbetriebe.

C) Organisierte Freiwilligenarbeit im Naturschutz

Sehr sinnvoll, aber limitiert.
Organisationen:

  • Alpenverein
  • Naturschutzbund
  • Österreichische Naturschutzjugend (ÖNJ)
  • Landschaftspflegevereine
  • WWF-Projektwochen (selten, aber hochwertig)

Typische Arbeiten:

  • Alm- und Wiesenpflege
  • Wege sanieren
  • Büsche schneiden
  • Trockensteinmauern reparieren
  • Bergwiesen entbuschen

Besonderheiten:

  • meistens Gruppenarbeit
  • oft Leitung durch Fachleute
  • meistens klare Tagesstruktur
  • Wochenprojekte
  • Meist körperlich anspruchsvoll

D) Freiwilligenarbeit im Sozialbereich

Kurzfristig fast unmöglich, weil:

  • rechtliche Anforderungen
  • Haftungsfragen
  • Schutz vulnerabler Gruppen
  • Notwendigkeit einer längerfristigen Verlässlichkeit

 

Beispiele, wo es eher funktioniert:

  • Second-Hand-Läden

  • Foodsharing-/Lebensmittelrettungsinitiativen

  • Lokale Vereine (Jugendzentren, Kulturvereine)

  • Veranstaltungen & Festivals

7. Rechtliche Realität & Versicherungen

WWOOF oder generell Volunteering ist generell kein Arbeitsverhältnis. Aber gerade bei gewerblich arbeitenden Höfen oder Betrieben können die Grenzen fließend sein und aus einem Volunterering schnell ein solzialversicherungspflichtiges Arbeitsverhältnis entstehen.

Beim echten Volunteering musst du selbst für deine Sicherheit sorgen.

Notwendige Versicherungen

  • Haftpflichtversicherung (sehr wichtig)

  • Unfallversicherung

  • Reisekrankenversicherung (falls du aus dem Ausland kommst)

Wenn du als Volontär Versicherungen vernachlässigst, kann es teuer werden. Niemand wünscht sich Krankheit oder Unfälle, aber dennoch kommen sie vor.

8. Wie du einen guten Hof findest – ausführliche Checkliste

Ein positives Erlebnis für einen Volontär beginnt meistens bereits mit der Vorbereitung. Und zur Vorbereitung gehört die Kommunikation. Was im Vorfeld angesprochen oder geklärt ist, führt später nicht zu Missverständnissen. Du solltest als Helfer wissen, dass es nur seeeehr wenige Hosts gibt, die sich mit WWOOF, Workaway aus Langeweile oder Menschenfreundlichkeit befassen. In der Regel gibt es einen konkreten Tätigkeitsbedarf, den der Host auf einen Helfer auslagern möchte. Und nimmt dafür den zeitlichen, finanziellen und organisatorischen Mehraufwand in Kauf, den ein Volontär verursacht.
Beide Seiten sind also gut beraten, bereits im Vorfeld die einzelnen Belange zu kommunizieren.

1. Arbeitsumfang

  • Exakte täglichen Arbeitszeiten? Üblich sind 20-30 Wochenstunden, meistens Montag bis Freitag, je 4-5 Stunden.
  • Feste Arbeitszeiten oder flexibel?
  • Sind Wochenenden frei? In der Regel sind die Wochenenden frei, d.h. du hast genügend Zeit für eigene Aktivitäten. 

2. Unterkunft

  • Eigenes Zimmer oder teilen?
  • Heizung vorhanden? (auf Höhenlagen wichtig)
  • Internetzugang?

<h33. Essen

  • Wer kocht? Auf unserem Bergbauernhof kocht der Chef selbst – ein erfahrener Hobbykoch und Gastronom.

  • Vegetarisch möglich?

  • Lebensmittelallergien? Solltest du Allergien haben, kommuniziere das im Vorfeld!

4. Erwartungen

  • Gibt es Tätigkeiten, die du NICHT machen willst?

  • Schwere Tierarbeit?
  • Motorsäge? Bagger? Maschinen?

5. Entfernung & Mobilität

Gerade in Österreich liegen viele Höfe abgeschieden und die Wege zu den öffentlichen Verkehrsmitteln sind manchmal weit.

  • Gibt es ÖPNV?

  • Kann dich jemand vom Bahnhof abholen?

  • Gibt es Einkaufsmöglichkeiten in der Nähe?

6. Soziales Umfeld

  • Sind dort andere Volunteers?

  • Wie viele Menschen leben am Hof?
  • Familienbetrieb oder Einzelpersonen?

Schlechte Kommunikation im Vorfeld ist die Hauptursache für miserable Erfahrungen. Viele Dinge lassen sich per eMail oder in einem Telefonat klären, wobei du bei Kommunikation per eMail immer auf getroffene Zusagen zurückgreifen kannst. 

9. Kosten, die du trotzdem hast

WWOOFen oder generell Volunteering ist nicht „kostenlos“. Realistisch musst du einplanen:

  • Anreise

  • Mitgliedsbeitrag

  • Eigene Arbeitskleidung

  • Versicherung

  • Eventuell öffentliche Verkehrsmittel vor Ort

  • Freizeitausgaben

  • Rückreise

Grundsätzlich sind die Kosten für Volunteering oder auch Freiwillgenarbeit generell überschaubar, aber eben nicht null.

10. Für wen WWOOF Österreich sinnvoll ist – und für wen nicht

WWOOF Österreich oder insbesondere, wenn du auf einem Hof oder Bergbauernhof Erfahrungen sammeln möchtest, dann bist du geeignet, wenn du:

  • gerne körperlich arbeitest

  • unkompliziert bist

  • einfache Lebensverhältnisse akzeptierst

  • autark bist

  • aufgeschlossen bist

  • ländliche Ruhe magst

Nicht geeignet, wenn du:

  • Komfort brauchst

  • hitze- oder kälteempfindlich bist

  • keine Routinearbeiten magst

  • schnell überreizt bist bei sozialer Nähe

  • hotelähnliche Standards erwartest

  • Konflikten aus dem Weg gehst

Fazit:

WWOOFen in Österreich kann ein wunderbares und erfüllendes Erlebnis sein, wenn deine Zielvorstellungen mit der angebotenen Realität zusammenpassen. Wenn sich aber schon im Vorfeld Zweifel breit machen und du doch nur einen romantischen Urlaub auf dem Bauernhof suchst, solltest du nochmals nachdenken. WWOOF, WorkAway oder generell Volunteering bieten ausgezeichnete Möglichkeiten, kostengünstig auch längere Zeit unterwegs zu sein, Land und Leute und andere Lebenskonzepte kennen zu lernen.

Unterschied zwischen WWOOF und Workaway 

Freiwilligenarbeit gegen Unterkunft und Verpflegung wird immer beliebter – besonders bei Reisenden, die günstig reisen und gleichzeitig neue Kulturen kennenlernen möchten. Zwei der bekanntesten Plattformen dafür sind WWOOF und Workaway. Doch worin unterscheiden sie sich eigentlich? Und welche ist besser für dich geeignet?

 

WWOOF oder Workaway – was ist besser?

Das hängt ganz von deinen Zielen und Interessen ab:

  • WWOOF ist ideal für dich, wenn du…
    • dich für nachhaltige Landwirtschaft interessierst
    • gerne draußen arbeitest
    • bewusst und entschleunigt reisen möchtest
    • mehr über ökologische Lebensweisen lernen willst
  • Workaway ist ideal für dich, wenn du…
    • maximale Vielfalt suchst
    • auch online oder kreativ arbeiten willst
    • flexibel reisen möchtest
    • neue Leute in Hostels oder Projekten treffen willst

Fazit: Zwei Plattformen, zwei Reisephilosophien

WWOOF und Workaway verfolgen unterschiedliche Ansätze, haben aber ein gemeinsames Ziel: kulturellen Austausch durch Mithilfe.
Während WWOOF stark auf Nachhaltigkeit und Landwirtschaft setzt, punktet Workaway mit Flexibilität und Projektvielfalt.