Permakultur in Österreich: Permakultur ist ein ganzheitliches Planungs- und Gestaltungskonzept für nachhaltige Lebensräume. Der Begriff setzt sich aus den englischen Wörtern permanent und agriculture zusammen und wurde in den 1970er-Jahren von Bill Mollison und David Holmgren in Australien geprägt. Ziel der Permakultur ist es, langlebige, resiliente und produktive Systeme zu schaffen, die sich an natürlichen Ökosystemen orientieren und ökologische, soziale sowie ökonomische Aspekte integrieren.
Angesichts globaler Herausforderungen wie Klimawandel, Biodiversitätsverlust, Bodendegradation und Ressourcenknappheit gewinnt Permakultur zunehmend an Bedeutung. Sie bietet nicht nur landwirtschaftliche Lösungsansätze, sondern auch Denkmodelle für nachhaltiges Wirtschaften, Bauen und Zusammenleben.
- Historische Entwicklung
Die Wurzeln der Permakultur liegen in der Beobachtung traditioneller, indigener Landnutzungssysteme, die über Jahrhunderte hinweg stabile Erträge ermöglichten, ohne natürliche Ressourcen zu zerstören. Bill Mollison erkannte, dass industrielle Landwirtschaft zwar kurzfristig hohe Erträge liefert, langfristig jedoch zu Bodenerosion, Abhängigkeit von externen Inputs und ökologischen Schäden führt.
In den 1980er- und 1990er-Jahren verbreitete sich Permakultur international und wurde an unterschiedliche Klimazonen und Kulturen angepasst. Heute findet sie Anwendung in Hausgärten, landwirtschaftlichen Betrieben, Stadtplanung, Bildungseinrichtungen und Entwicklungsprojekten weltweit.
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- Ethische Grundsätze der Permakultur
Die Permakultur basiert auf drei zentralen ethischen Prinzipien:
- Sorge für die Erde (Earth Care)
Schutz und Regeneration von Boden, Wasser, Luft und Biodiversität bilden die Grundlage allen Handelns. - Sorge für den Menschen (People Care)
Permakultur fördert gesunde Lebensbedingungen, soziale Gerechtigkeit, Bildung und Selbstversorgung. - Faires Teilen (Fair Share)
Überschüsse sollen begrenzt und gerecht verteilt werden, um Ressourcen nachhaltig zu nutzen und Überkonsum zu vermeiden.
Diese ethischen Leitlinien dienen als moralischer Kompass für alle Planungs- und Gestaltungsentscheidungen.

Bild: Permakultur in Österreich
- Gestaltungsprinzipien nach David Holmgren
David Holmgren formulierte zwölf Designprinzipien, die als praxisnahe Werkzeuge für permakulturelle Planung dienen:
- Beobachte und interagiere
- Sammle und speichere Energie
- Erziele Erträge
- Übe Selbstregulierung und akzeptiere Rückmeldung
- Nutze erneuerbare Ressourcen und Leistungen
- Produziere keinen Abfall
- Gestalte vom Muster zum Detail
- Integriere statt separiere
- Nutze kleine und langsame Lösungen
- Nutze und schätze Vielfalt
- Nutze Randzonen und schätze das Marginale
- Reagiere kreativ auf Veränderung
Diese Prinzipien lassen sich flexibel auf ökologische, soziale und wirtschaftliche Systeme anwenden.
- Zentrale Elemente der Permakulturpraxis
5.1 Bodenaufbau und Humusmanagement
Gesunder Boden ist die Grundlage produktiver Ökosysteme. Permakultur setzt auf Mulchen, Kompostierung, Gründüngung und minimale Bodenbearbeitung. Ziel ist der Aufbau von Humus, der Wasser speichert, Nährstoffe bindet und das Bodenleben fördert.
5.2 Wasser- und Energiemanagement
Regenwassernutzung, Swales (Mulden), Teiche und natürliche Fließsysteme helfen, Wasser effizient zu speichern und Erosion zu vermeiden. Gleichzeitig wird Sonnenenergie durch intelligente Flächennutzung, Ausrichtung und Bepflanzung optimal genutzt.
5.3 Pflanzengesellschaften und Polykulturen
Anstelle von Monokulturen nutzt Permakultur artenreiche Pflanzengemeinschaften. Mischkulturen, Waldgärten und mehrschichtige Systeme erhöhen Erträge, reduzieren Schädlingsdruck und verbessern die ökologische Stabilität.
5.4 Tierintegration
Tiere übernehmen wichtige Funktionen wie Schädlingskontrolle, Düngung und Landschaftspflege. In permakulturellen Systemen werden sie bewusst in Kreisläufe integriert.
- Permakultur in verschiedenen Anwendungsfeldern
6.1 Landwirtschaft und Gartenbau
Permakultur wird sowohl im kleinräumigen Hausgarten als auch in professionellen Betrieben angewendet. Beispiele sind Market Gardens, Agroforstsysteme und regenerative Landwirtschaft.
6.2 Urbane Permakultur
In Städten umfasst Permakultur Gemeinschaftsgärten, Dachbegrünung, Urban Farming und soziale Netzwerke zur lokalen Selbstversorgung.
6.3 Soziale und ökonomische Systeme
Permakultur ist auch ein soziales Designsystem. Kooperative Organisationsformen, lokale Wirtschaftskreisläufe und gemeinschaftliches Lernen sind zentrale Aspekte.
- Chancen und Grenzen der Permakultur
Chancen:
- Erhöhte ökologische Resilienz
- Langfristige Bodenfruchtbarkeit
- Reduzierter Ressourcenverbrauch
- Förderung von Gemeinschaft und Selbstbestimmung
Grenzen:
- Hoher Planungs- und Wissensaufwand
- Teilweise geringere kurzfristige Erträge
- Schwierige Skalierbarkeit in industriellen Strukturen
Eine erfolgreiche Umsetzung erfordert daher Bildung, Erfahrung und Anpassung an lokale Gegebenheiten.
- Fazit
Permakultur ist weit mehr als eine alternative Anbaumethode. Sie stellt ein integratives Denk- und Handlungssystem dar, das ökologische Nachhaltigkeit, soziale Verantwortung und ökonomische Tragfähigkeit verbindet. In einer Zeit globaler Krisen bietet sie praxisnahe Werkzeuge, um zukunftsfähige Lebensräume zu gestalten und langfristig zu erhalten.
- Literaturhinweise (Auswahl)
- Mollison, B.: Permaculture – A Designer’s Manual
- Holmgren, D.: Permaculture: Principles and Pathways Beyond Sustainability
- Ferguson, R., Lovell, S.: Permaculture for agroecology
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Permakultur in Österreich: Hier ist ein Überblick über Permakultur-Aktivitäten in der pannonischen Zone der Steiermark (also dem Süd-/Ostteil des Bundeslands mit pannonisch-kontinentalem Klima: heiße Sommer, kalte Winter, trockener als im Alpenraum) – inklusive Projekten, Gärten, Kursen und Klima-Bezug: Earth Site Education
🌾 1) Warum Pannonische Platte & Permakultur zusammenpassen
Die pannonische Klimazone in Österreich bedeutet:
- heiße, trockene Sommer
- kalte Winter
- geringere Niederschläge als in alpinen Regionen
→ Solche Bedingungen stellen besondere Anforderungen an Wassermanagement, Sortenauswahl und Bodenpflege – Themen, die in der Permakultur zentral sind (z. B. funktionalen Wasserkreislauf schaffen, trockenheitsresistente Mischkulturen anlegen).
Permakultur als System hat gerade dort Vorteile, wo Resilienz gegen Trockenheit & Stressbedingungen gefragt ist – etwa durch Mulch, Wasserfangen, biodiversitätsreiches Anbausystem und mehrjährige Systeme.
🌱 2) Beispiele & Projekte in der Steiermark
📍 Permakulturhof Ellersbacher – Stanz im Mürztal
Ein kleiner Permakultur-Hof, der seit 1993 biologisch arbeitet und permakulturelle Ideen lebt. Es gibt Workshops zu:
- natürlichem Pflanzenwachstum
- Wald- und Garten-Permakultur
- nachhaltiger Kreislaufwirtschaft
Der Hof hat Tiere, Obst und Gemüse, lädt zu Führungen & Gemeinschaftsgarten-Aktivitäten ein. Permakulturhof Ellersbacher+1
📍 Garten der Vielfalt – Stainz (Weststeiermark)
Ein etwa 6000 m² Natur- und Permakulturgarten mit:
- Kräuter- & Gemüsegarten
- Obstbaum- Streuobstwiese
- Hügelbeeten, Hecken, Gewächshaus
Ziel ist ökologische Bildung und nachhaltige Gartengestaltung. Die Gartenreise
📍 Permakultur-Projekt Edelsgraben – Südoststeiermark
Ein individuelles Permakultur-Projekt in der Südoststeiermark (nahe der pannonisch geprägten Zone), bei dem ein ehemaliger Maisacker zu einer lebendigen Landschaft mit Teichen, Obstbäumen und biodiversen Systemen umgewandelt wurde, um Artenvielfalt zu fördern. 1000things
📍 Creative-Adventure Permakultur-Garten (Steiermark)
Ein kleiner Permakultur-Garten, der gemeinsam bewirtschaftet und erlebbar gemacht wird – mit Gemüsen, Beeren, Kräutern, Hügel- und Mischbeeten. creative-adventure.at
📍 (im Aufbau:) Permakultur Graz
Eine Initiative für Permakultur und Vernetzung in Graz, aktuell im Aufbau. permakultur-graz.at
🎓 3) Bildung & Vernetzung
📌 Permakultur-Akademie im Alpenraum (PIA)
Die PIA bietet Permakultur-Kurse, Praktika und Ausbildungen mit Fokus auf nachhaltige Gestaltung von Landschaft, Garten, Gemeinschaft und Kooperation auch im steirischen Umfeld (z. B. Kurse in Stainz). permakultur-akademie.com
📌 LFI Steiermark – „Permakultur im Fokus“
Ein Kursangebot, das Berufspraktiker:innen und Interessierten Permakultur-Prinzipien näherbringt. stmk.lfi.at
🌍 4) Klima- und Landschaftsbezug der Pannonischen Zone in der Steiermark
- Die pannonische Zone erstreckt sich im Osten / Südosten der Steiermark – etwa Richtung Südoststeiermark und Thermenland – und unterscheidet sich klimatisch von alpinen Gebieten. Earth Site Education
- Dort kommen oft Weinbau, Trockenfeldbau und wärmeliebende Kulturen vor, was für Permakultur-Gestaltungen bedeutet, Wasserhaushalt und trockenheitsresiliente Systeme besonders zu beachten (z. B. Mulchschichten, Tiefwurzler, Mischkulturen).
🌿 5) Praktische Tipps für Permakultur in pannonischen Bedingungen
Klimatisch bedingte Praktiken, die in der pannonischen Steiermark sinnvoll sein können:
- Wassermanagement: Regenwasser-Speicherung, Swales, Mulch
- Bodenaufbau: Kompostierung, Gründüngung, Humusaufbau
- Trockentolerante Pflanzen: z. B. mediterran-ähnliche Kräuter, typische Gemüse, Standortangepasste Obstsorten
- Mehrjährige Systeme: Waldgarten, Agroforst
- Strukturelle Vielfalt: Zonen- & Sektorenplanung
🧭 Zusammenfassung
✔ In der Steiermark gibt es mehrere Permakultur-Gärten und Projekte, die Ideen und Praxis vermitteln – auch im östlichen / pannonisch geprägten Bereich.
✔ Bildung, Vernetzung und Kurse zur Permakultur findest du über Akteur:innen wie die Permakultur-Akademie (PIA) und lokale Initiativen. permakultur-akademie.com
✔ Die spezielle pannonische Klima- und Landschaftszone stellt besondere Herausforderungen, aber auch Chancen dar, die Permakultur sinnvoll adressieren kann.