Garteln und andere sinnvolle Dinge
Garteln auf dem Bauernhof: In einer Zeit, in der vieles schnell, digital und oft auch oberflächlich geworden ist, wächst bei vielen Menschen die Sehnsucht nach Tätigkeiten, die greifbar, sinnvoll und nachhaltig sind. „Garteln“ – ein liebevoller, vor allem im süddeutschen und österreichischen Raum gebräuchlicher Ausdruck für das Gärtnern – steht dabei sinnbildlich für eine ganze Reihe von Beschäftigungen, die nicht nur praktisch, sondern auch seelisch bereichernd sind.
Garteln als Rückkehr zum Ursprung
Garteln ist weit mehr als das Pflanzen von Gemüse oder Blumen. Es ist eine bewusste Rückkehr zu natürlichen Rhythmen. Wer gärtnert, richtet sich nach Jahreszeiten, Wetter und Bodenbeschaffenheit – und nicht nach Push-Nachrichten oder Terminkalendern. Der Garten zwingt zur Geduld: Eine Tomate wächst nicht schneller, nur weil man es eilig hat. Diese Entschleunigung wirkt fast meditativ und schafft einen wohltuenden Ausgleich zum hektischen Alltag.
Darüber hinaus vermittelt Garteln ein tiefes Gefühl von Selbstwirksamkeit. Aus einem winzigen Samen entsteht durch Pflege, Aufmerksamkeit und Zeit etwas Essbares oder Schönes. Dieses direkte Erleben von Ursache und Wirkung fehlt vielen Menschen in modernen Arbeitswelten – im Garten wird es wieder spürbar.

Nachhaltigkeit im Kleinen
Garteln auf dem Bauernhof: Ein eigener Garten, selbst ein kleiner Balkon oder ein Hochbeet, kann ein Ort gelebter Nachhaltigkeit sein. Wer selbst anbaut, weiß, woher die Lebensmittel kommen, welche Erde verwendet wurde und dass keine unnötigen Transportwege nötig waren. Auch der bewusste Umgang mit Ressourcen – Regenwasser sammeln, Kompostieren, Mischkultur statt Monokultur – fördert ein ökologisches Denken, das weit über den Gartenzaun hinaus wirkt.
Garteln schärft den Blick für Zusammenhänge in der Natur: Warum Bienen so wichtig sind, wie Bodenleben funktioniert oder weshalb Vielfalt widerstandsfähiger ist als Einfalt.
Andere sinnvolle Dinge: Arbeiten mit Kopf, Herz und Hand
Neben dem Garteln gibt es viele weitere Tätigkeiten, die als „sinnvoll“ empfunden werden, weil sie einen sichtbaren oder spürbaren Nutzen haben:
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Handwerkliche Arbeiten wie Reparieren, Bauen oder Restaurieren verlängern die Lebensdauer von Dingen und fördern Wertschätzung statt Wegwerfmentalität.
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Kochen und Einmachen verbinden Kreativität mit Fürsorge – für sich selbst und andere.
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Pflege sozialer Beziehungen, etwa durch Nachbarschaftshilfe oder gemeinschaftliche Projekte, stärkt den gesellschaftlichen Zusammenhalt.
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Kreative Tätigkeiten wie Schreiben, Malen oder Musizieren schaffen Ausdruck für Gedanken und Gefühle, die sonst keinen Platz finden.
All diese Beschäftigungen haben gemeinsam, dass sie Zeit brauchen, Aufmerksamkeit erfordern und nicht beliebig beschleunigt werden können.
Sinn als Gegenpol zur reinen Effizienz
Was Garteln und andere sinnvolle Dinge auszeichnet, ist ihr Widerstand gegen die Logik der reinen Effizienz. Sie sind nicht immer „produktiv“ im wirtschaftlichen Sinn, aber enorm wertvoll für das persönliche Wohlbefinden. Sie erden, schaffen Struktur und geben dem Alltag Tiefe.
Gerade deshalb gewinnen sie in einer zunehmend automatisierten Welt an Bedeutung. Sinn entsteht dort, wo Menschen sich einbringen, Verantwortung übernehmen und den Prozess ebenso schätzen wie das Ergebnis.
Fazit
Garteln ist mehr als ein Hobby – es ist eine Haltung. Eine Haltung, die Achtsamkeit, Geduld und Verbundenheit mit der Natur fördert. In Kombination mit anderen sinnvollen Tätigkeiten entsteht ein Lebensstil, der nicht auf Geschwindigkeit und Konsum ausgerichtet ist, sondern auf Qualität, Nachhaltigkeit und innere Zufriedenheit.
Vielleicht liegt genau darin die Zukunft: weniger „höher, schneller, weiter“ – und mehr Erde unter den Fingernägeln.