Agroforst und Klimawandel


Agroforstsysteme im Hinblick auf den Klimawandel

Agroforst und Klimawandel: Der Klimawandel stellt die Landwirtschaft weltweit vor große Herausforderungen. Steigende Temperaturen, zunehmende Trockenperioden, Starkregenereignisse und eine wachsende Unsicherheit bei Erträgen gefährden langfristig die Nahrungsmittelproduktion. Vor diesem Hintergrund rücken Agroforstsysteme immer stärker in den Fokus von Wissenschaft, Politik und Praxis. Sie gelten als ein vielversprechender Ansatz, um sowohl zum Klimaschutz als auch zur Anpassung an die Folgen des Klimawandels beizutragen.

Definition und Grundprinzipien von Agroforst

Agroforstsysteme sind Landnutzungssysteme, bei denen Bäume oder Sträucher gezielt mit landwirtschaftlichen Kulturen und/oder Tierhaltung auf derselben Fläche kombiniert werden. Im Gegensatz zu klassischen Monokulturen integrieren sie holzige Pflanzen dauerhaft in das Agrarsystem. Dabei können unterschiedliche Formen auftreten, etwa Baumreihen auf Ackerflächen, Obstbäume auf Weiden oder Heckenstrukturen zwischen Feldern.

Das Grundprinzip des Agroforsts beruht auf der Nutzung ökologischer Wechselwirkungen zwischen Bäumen, Nutzpflanzen, Tieren und Boden. Diese Wechselwirkungen führen zu einer höheren Stabilität des Systems und machen es widerstandsfähiger gegenüber klimatischen Veränderungen.

Beitrag von Agroforstsystemen zum Klimaschutz

Ein zentraler Aspekt im Zusammenhang mit dem Klimawandel ist der Klimaschutz, also die Reduktion von Treibhausgasemissionen. Agroforstsysteme leisten hierzu einen bedeutenden Beitrag, insbesondere durch die Bindung von Kohlenstoff.

Bäume nehmen während ihres Wachstums Kohlendioxid aus der Atmosphäre auf und speichern den Kohlenstoff langfristig in ihrer Biomasse sowie im Boden. Studien zeigen, dass Agroforstflächen deutlich mehr Kohlenstoff speichern können als reine Ackerflächen. Zusätzlich fördern die Wurzeln der Bäume den Humusaufbau, wodurch weiterer Kohlenstoff im Boden gebunden wird.

Darüber hinaus können Agroforstsysteme indirekt Emissionen reduzieren. Durch eine verbesserte Bodenfruchtbarkeit sinkt häufig der Bedarf an mineralischen Düngemitteln, deren Herstellung sehr energieintensiv ist. In Systemen mit stickstofffixierenden Baumarten, wie beispielsweise Erlen oder Robinien, wird der Boden auf natürliche Weise mit Stickstoff angereichert. Außerdem kann Holz aus Agroforstsystemen fossile Brennstoffe oder emissionsintensive Materialien ersetzen und so zur Minderung von Treibhausgasen beitragen.

Agroforst und Klimawandel auf dem Bergbauernhof

Bild: Agroforst und Klimawandel

📌 Beitrag zur Klimaanpassung

  1. Verbesserter Wasserhaushalt
    • Tiefwurzelnde Bäume erschließen Wasser aus tieferen Bodenschichten.
    • Beschattung reduziert Verdunstung und Hitzestress für Pflanzen und Tiere.
  2. Schutz vor Extremwetter
    • Windschutz reduziert Schäden durch Stürme.
    • Bessere Bodendeckung schützt vor Starkregen und Erosion.
  3. Ertragsstabilität
    • Diversifizierung senkt das Risiko von Ernteausfällen.
    • Zusätzliche Produkte (Holz, Früchte, Nüsse, Futter).

Agroforst als Strategie zur Klimaanpassung

Agroforst und Klimawandel: Neben dem Klimaschutz spielt die Anpassung an die unvermeidbaren Folgen des Klimawandels eine entscheidende Rolle. Auch hier bieten Agroforstsysteme erhebliche Vorteile.

Bäume beeinflussen das Mikroklima positiv. Ihre Beschattung reduziert die Bodentemperatur und verringert die Verdunstung, was insbesondere in Trockenperioden von großer Bedeutung ist. Tiefwurzelnde Bäume können Wasser aus tieferen Bodenschichten erschließen und so auch in Dürrezeiten zur Stabilisierung des Systems beitragen.

Zudem schützen Agroforstsysteme vor Extremwetterereignissen. Baumreihen wirken als Windschutz und reduzieren Schäden durch starke Winde oder Stürme. Bei Starkregen bremsen sie den Wasserabfluss, fördern die Infiltration und verringern Bodenerosion. Gerade in Zeiten zunehmender Wetterextreme tragen Agroforstsysteme damit wesentlich zum Erhalt fruchtbarer Böden bei.

Ein weiterer Vorteil liegt in der Ertragsstabilität. Durch die Kombination verschiedener Nutzungen wird das Risiko von Totalausfällen reduziert. Selbst wenn eine Kultur aufgrund von Trockenheit oder Hitze Ertragseinbußen erleidet, können andere Komponenten des Systems, wie Holz, Früchte oder Nüsse, Einkommensverluste teilweise ausgleichen.

Ökologische und gesellschaftliche Zusatznutzen

Agroforstsysteme bieten neben klimabezogenen Effekten zahlreiche ökologische Zusatznutzen. Sie fördern die Biodiversität, indem sie Lebensräume für Vögel, Insekten und andere Tiere schaffen. Besonders Bestäuber und natürliche Gegenspieler von Schädlingen profitieren von der strukturellen Vielfalt.

Auch die Bodenqualität verbessert sich nachhaltig. Laubfall, Wurzelwachstum und eine geringere Bodenbearbeitung tragen zur Erhöhung des Humusgehalts und zur Verbesserung der Bodenstruktur bei. Dadurch steigt die langfristige Produktivität der Flächen.

Gesellschaftlich können Agroforstsysteme zu einer nachhaltigeren und resilienteren Landwirtschaft beitragen. Sie fördern regionale Wertschöpfung, diversifizieren Einkommensquellen für Landwirte und verbessern das Landschaftsbild.

Agroforst und Klimawandel: Herausforderungen und Grenzen

Trotz ihrer zahlreichen Vorteile sind Agroforstsysteme nicht frei von Herausforderungen. Die Planung und Bewirtschaftung ist komplexer als bei konventionellen Anbausystemen. Zudem erfordern Bäume eine langfristige Perspektive, da wirtschaftliche Erträge aus Holz oder Früchten oft erst nach mehreren Jahren erzielt werden.

  • Höherer Planungs- und Managementaufwand.
  • Langfristige Investitionen mit später Rendite.
  • Teilweise rechtliche und fördertechnische Hürden (z. B. Flächenanerkennung).

Ein weiteres Hindernis stellen rechtliche und fördertechnische Rahmenbedingungen dar. In einigen Ländern, darunter auch Deutschland, werden Agroforstflächen nicht immer eindeutig anerkannt oder gefördert, was die Verbreitung dieser Systeme erschwert.

Agroforst im Zusammenhang mit der Permakultur

Agroforst und Permakultur passen sehr gut zusammen, sind aber nicht identisch. Man kann Agroforst als eine konkrete Anbaumethode sehen, die sich hervorragend innerhalb permakultureller Konzepte einsetzen lässt. Die Permakultur ist der Bauplan, der Agroforst das Werkzeug.

Waldgärten als Schnittstelle

Der Waldgarten gilt als das klassische Bindeglied:

  • Er ist ein Agroforstsystem
  • vollständig auf permakulturellen Prinzipien aufgebaut
  • hochdivers
  • langfristig stabil
  • besonders geeignet für Selbstversorgung, Gemeinschaften und kleinstrukturierte Betriebe

Waldgärten zeigen exemplarisch, wie ökologische Stabilität und Ertrag kein Widerspruch sein müssen.

 

Fazit

Agroforstsysteme stellen im Hinblick auf den Klimawandel eine zukunftsfähige Form der Landnutzung dar. Sie verbinden Klimaschutz und Klimaanpassung mit ökologischen und ökonomischen Vorteilen. Angesichts zunehmender Klimarisiken bieten sie eine wichtige Strategie, um die Landwirtschaft resilienter, nachhaltiger und produktiver zu gestalten. Eine stärkere Förderung, Forschung und praktische Umsetzung von Agroforstsystemen kann daher einen entscheidenden Beitrag zur Bewältigung der Herausforderungen des Klimawandels leisten.